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Behinderung und Sprache

Behindernde Sprache

Mädchen sitzt in der Schule und schreibt
Foto: Dominik Schmitz / LVR, Zentrum für Medien und Bildung

Über Behinderungen zu sprechen oder zu schreiben, ist manchmal gar nicht so einfach. Wie nennt man Menschen, die nicht hören und sprechen können? Wie drückt man aus, welche Behinderung jemand hat und wie beschreiben wir die Person?

Weil in den letzte Jahren und Jahrzehnten das Adjektiv „behindert“ in der Jugendsprache zum Schimpfwort verkommen ist, spricht man lieber von Menschen mit Behinderung. Außerdem soll natürlich der Mensch im Vordergrund stehen und nicht die Behinderung. Dies ist aber der Fall, wenn man „Behinderter“ sagen würde. Behinderter Mensch oder – noch besser – Mensch mit Behinderung macht deutlich, dass die Person in erster Linie Mensch ist.

Doch was bedeutet dieses „behindert“ eigentlich?

Behindert ist man nicht, behindert wird man

Ein Mensch im Rollstuhl kann seinen Weg gehen (oder eben fahren) wie jeder andere Mensch auch. Manchmal stößt er jedoch auf Hindernisse: Treppen, steile Wege oder zu schmale Türen. In so einem Fall wird der Mensch daran gehindert, weiter zu kommen, er wird behindert. Die Behinderung ist also nichts, was von dem Menschen selbst ausgeht, sondern von seinem Umfeld, seiner Umgebung oder der Gesellschaft.

Eine Behinderung kann außerdem viele Gründe haben: manche Menschen sind von Geburt an, zum Beispiel durch einen Gen-Defekt, in irgendeiner Form eingeschränkt. Die meisten Behinderungen entstehen jedoch im Laufe eines Lebens. Dies kann durch einen Unfall oder eine Krankheit passieren.

Wie nennen wir nun Menschen mit bestimmten Behinderungen?

Menschen die nicht hören können, nennt man Gehörlose oder Hörgeschädigte. Menschen, die nicht sprechen können, nennen wir stumm. Dies ist jedoch eigentlich auch nicht richtig. Denn auch wenn Menschen nicht laut sprechen können, können sie sich trotzdem verständlich machen. Mit Gebärdensprache können sie durchaus ihre Gedanken, Gefühle und alles zum Ausdruck bringen, was auch sprechende Menschen sagen können. Darum soll das Wort taubstumm auch gar nicht mehr verwendet werden. Es lässt Menschen, die weder hören noch sprechen können, so wirken, als seien sie komplett ausgeschlossen von jeglicher Kommunikation. Dabei können sie durchaus ihre Meinung kundtun!

Natürlich gibt es neben diesen körperlichen Behinderungen auch noch andere. Früher nannte man das geistige Behinderung. Die Menschen mit einer solchen Behinderung möchten jedoch seit einigen Jahren viel lieber Menschen mit Lernschwierigkeiten genannt werden. Denn nur, weil sie vielleicht etwas langsamer lernen als andere Menschen, bedeutet das nicht, dass ihr „Geist“ geschädigt oder behindert ist.

Viel schöner als über Menschen mit Behinderungen zu sprechen, ist es aber sowieso mit ihnen zu sprechen. Wenn ihr einen Mitschüler im Rollstuhl habt oder eine blinde Nachbarin, fragt sie doch einfach mal, welche Begriffe sie stören oder selbst nutzen. Und ganz schnell wird für euch der Hindernislauf im Gespräch über Menschen mit Behinderungen zum Spaziergang, und das Gespräch mit den Menschen zum Muss.