Zum Inhalt springen

Schriftgröße
A
A
A

Wie der Tag der Begegnung entstand

Der Tag der Begegnung entstand nach einem Urteil gegen Menschen mit Behinderung:

„Dieses Urteil empfinden wir als einen Schlag ins Gesicht aller behinderten Menschen", so kommentierte der Landschaftsverband Rheinland (LVR) 1998 den Richterspruch des Oberlandesgericht (OLG) Köln gegen eine seiner Einrichtungen für Menschen mit Behinderung im Kreis Düren. Als Reaktion veranstaltete der LVR noch im selben Jahr den ersten „Tag der Begegnung“.

Es begann mit einer Klage

Geklagt hatte ein Nachbar der Wohngruppe. Er fühlte sich durch die „unartikulierten Schreie und Rufe“ der sieben dort lebenden Männer belästigt und forderte die Schließung der Wohngruppe. Das OLG Köln gab der Klage in Teilen statt.

Das Landgericht Aachen hatte in der ersten Instanz nach vier zum Teil unangekündigten Ortsterminen eine Lärmbelästigung verneint und die Klage abgewiesen. Als der Kläger daraufhin aber vor das Oberlandesgericht Köln zog, bekam er in Teilen recht. In dem Urteil (AZ: 7 U 83/96.) verpflichteten die Richter den LVR als Träger der Wohngruppe dafür Sorge zu tragen, dass sich die Menschen mit Behinderung wegen der von ihnen verursachten Geräusche zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober an Sonn- und Feiertagen ab 12.30 Uhr, mittwochs und samstags ab 15.30 Uhr und an den übrigen Tagen ab 18.30 Uhr nicht mehr im Garten ihres Hauses aufhalten durften. Eine Revision gegen das Urteil ließ das OLG nicht zu.

Kölner Urteil sorgt für Empörung

Dieses Urteil des Landesgerichtshofs Köln schlug Wellen der Empörung. „Schlag ins Gesicht behinderter Menschen“, „Freiheitsentzug“, „Zu Menschen zweiter Klasse gestempelt“ oder „Urteil gegen Behinderte – Rückfall in die Barbarei“, so oder ähnlich titelten die Medien - lokal und überregional.

„Wir sind erschüttert. Dieses Urteil empfinden wir als einen Schlag ins Gesicht aller behinderten Menschen in Deutschland und als eine Missachtung all jener, die hilfsbedürftige Mitbürger aufopferungsvoll unterstützen, betreuen und sich um Integration bemühen“, so bedauerte Jürgen Wilhelm, der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, das Urteil.

Der LVR wertete das Urteil als einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes. Der Verband legte daraufhin eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein. Die Klage hatte jedoch keinen Erfolg, die Karlsruher Richter ließen sie aus formalen Gründen nicht zu.

Erstes Fest für mehr Akzeptanz und ein normales Miteinander

Mit einer „zentralen Veranstaltung für Menschen mit und ohne Behinderung“ beschloss der LVR noch im Sommer des gleichen Jahres, „für mehr Akzeptanz und ein normales Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu werben" – der Tag der Begegnung war geboren.

Ziel der Veranstaltung war und ist es, Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen und an diesem gemeinsamen Tag Barrieren zu überwinden und Vorurteile abzubauen.

Heute hat sich dieses große Fest zum größten Familienfest für Menschen mit und ohne Behinderung in Deutschland entwickelt. Als Signalveranstaltung ist der Tag der Begegnung weit über die Grenzen des Rheinlands hinaus bekannt und auch europaweit das einzige Fest seiner Art.

Das Konzept des LVR für Veranstaltungen zum Thema Inklusion wurde 2016 neu aufgelegt. Der Tag der Begegnung findet künftig alle zwei Jahre in Köln statt - also 2017 und danach wieder 2019, 2021 usw. In den Jahren dazwischen soll Inklusion im Rahmen einer neuen Regionalisierungskampagne stärker in die unterschiedlichen Orte im Rheinland getragen werden. Im Rahmen der sogenannten Tour der Begegnung findet ein Sternlauf an zahlreichen Orten des Rheinlands statt, an dem sich unterschiedliche Schulen beteiligen. Kinder mit und ohne Behinderung nehmen daran teil. Zudem sollen regionale Brauchstumsevents wie etwa Schützenfeste stärker bei der Umsetzung barrierefreier Angebote unterstützt werden.